Das Gedächtnis der Kellnerin: Kuriose Geschichten aus der Wissenschaft


 
Der Alltagswissenschaftler ohne eigene Geschichte
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(#1 HALL OF FAME REZENSENT)    (TOP 50 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Das Gedächtnis der Kellnerin: Kuriose Geschichten aus der Wissenschaft (Gebundene Ausgabe) Irgendwann stellte ich meine Bemühungen ein, etwas über das Leben von Jay Ingram zu erfahren. Und so übernehme ich eben die Berufsbezeichnung, die überall feilgeboten wird: Alltagswissenschaftler. Finde ich zwar etwas rätselhaft und nur eingeschränkt originell. Doch nach acht Büchern, täglichem Erscheinen im Fernsehen, Entgegennahmen von Journalistenpreisen und Ehrendoktorwürden ist der Kanadier trotz Verdunkelung seines Lebenslaufs zum Star avanciert. Zu Recht? Na ja, er packt Wissenschaftliches geschickt in Geschichten ein und profitiert offenbar von den Diensten eines gewieften Agenten. Ich fand Die Geschwindigkeit des Honigs gut, aber nicht umwerfend. Mir gefällt Len Fishers Reise zum Mittelpunkt des Frühstückseis. Streifzüge durch die Physik der alltäglichen Dinge viel besser. Der Grund? Weil Fisher selber experimentiert, härter am Wind segelt und einfach besser weiss, wovon er spricht. Fisher ist weniger kopierbar als Ingram.

Jay Ingram schickt seine Helferlein auf Sammeltour, sichtet dann die Funde, wählt aus und umhüllt den Kern mit einer journalistischen Glasur. Das können und machen andere auch. Aber Jay Ingram geniesst eben eine Popularität, die mit dem neuen Buch noch zunehmen wird. Vier Geschichten zum menschlichen Verhalten, fünf über die Wunder der Natur, weitere fünf über Wissenschaft und Geschichte, vier vom Reich der wilden Tiere und drei zur Überschrift Wie was funktioniert. Geschickt deckt Ingram ein Gebiet ab, wo sich jeder irgendwo zuhause fühlt. Der Alltagswissenschaftler aus Kanada hat einen Sinn für gehobenen Small Talk. Halbwissen generiert Halbwissen und ist vielleicht gerade so unterhaltsam. Wenn einige seiner Geschichten die Wissenschaftlichkeit der Wissenschaft ins Wanken bringen, kann das nichts schaden. Zudem hat der Autor so die Lacher und Schadenfreudigen auf seiner Seite.

Mein Fazit: Nach dem Muster seines ersten Buches Die Geschwindigkeit des Honigs lässt sich locker jedes Jahr eine neue Folge schreiben. Aber auf Wiederholungen stehe ich nicht so. Vielleicht eignet sich das Fernsehen besser, um diese Form von Wissenschaftsjournalismus zu transportieren. Aber wer will es Jay Ingram verübeln, dass seine Fangemeinde das Gesehene auch noch in Buchform möchte. Mir ist das Ganze etwas zu tuttifruttihaft geraten. Aber da Ingram ein Bedürfnis gekonnt befriedigt, kriegt er trotzdem vier Sterne.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 20. September 2006
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