Pleiten, Pech und Pannen aus der Bücherwelt.
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(TOP 50 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Die Bibliothek der verlorenen Bücher (Gebundene Ausgabe) Um es gleich vorweg zu sagen: Die Lektüre des Buches "Die Bibliothek der verlorenen Bücher" ist für zart besaitete Buchliebhaber nur schwer zu ertragen. Autor Alexander Pechmann übernimmt die Rolle des "Unter-Unter-Bibliothekars" und führt den Leser durch eine Sammlung von Büchern, die heute aus den unterschiedlichsten Gründen nicht mehr gelesen werden können. In unterhaltsamem Plauderton berichtet er von Pleiten, Pech und Pannen der Weltliteratur aus den letzten Jahrhunderten.

"Die Bibliothek der verlorenen Bücher" ist nicht chronologisch sortiert. Einige Kapitel sind den Missgeschicken einzelner bedeutender Autoren gewidmet, zum Beispiel Ernest Hemingway, Marx Shelley und Thomas Mann, sowie Franz Kafka, Alexander Puschkin und Herman Melville. Aber auch das Schicksal weniger bekannter Schriftsteller wird erwähnt. Dabei wird deutlich, dass nicht nur die Autoren selber Schuld am Verlust von Manuskripten und Aufzeichnungen sind, auch die Unachtsamkeit von Verlegern, Anwälten und Erben, der Zorn von Theologen und Zensoren sowie Schlamperei bei der Post führen zu ungeahnten Verlusten. Spannend werden die kleinen Begebenheiten dadurch, dass Alexander Pechmann nicht nur von verbrannten, versteckten oder unleserlichen Büchern schreibt, sondern auch Details aus den jeweiligen Biographien erzählt. Der Leser bekommt so einen Einblick in die Entstehungsprozesse der Bücher und erfährt, dass Missgeschicke zu allen Zeiten in allen Ländern passiert sind.

Das kurzweilige Buch ist wie die Führung durch eine imaginäre Bibliothek aufgebaut. Der Leser darf unter anderem einen Blick in den Saal werfen, indem Bücher aufbewahrt werden, die verloren gingen, weil der Autor es versäumt hat, eine Kopie des Manuskriptes anzufertigen. Von dem Raum, in dem Bücher, die nie geschrieben wurden, aufbewahrt werden, gib es nur den Wegweiser. Dieser ist das Bild eines Tigers und soll an die nicht realisierte Biographie Goethes über das Leben eines Tigers, dessen eingefrorener Kadaver dem Weimarer Herzog Carl August geschickt worden war, erinnern.

Aber nicht alle Bücher scheitern am Anspruch der Perfektion: So enthält das unterhaltsame Sachbuch "Die Bibliothek der verlorenen Bücher" auch Kapitel über verbrannte Bibliotheken und Veröffentlichungen, die durch Kriege verhindert oder zerstört wurden, untergebracht in einem dunklen Gewölbe voller leerer schwarzer Regale. Jorge Lius Borges Bibliothek von Babel ist eine Zweigstelle dieser Bibliothek, die wie einige andere imaginäre Büchereien den Bestand erweitert. Tröstlich ist das Kapitel über absichtlich verbrannte Bücher, da es zeigt, dass Bücherverbrennungen in der Regel nicht dazu geführt haben, dass die Veröffentlichungen verloren gingen.

Neben allgemein bekannten Geschichten hat Alexander Pechmann auch entlegenere Begebenheiten und Anekdoten ausgegraben und so eine spannende Zusammenstellung verfasst. Entstanden ist ein interessanter und humorvoller Blick in die Welt der Bücher, der zeigt wie kostbar ein einzelner Zettel sein kann. Die Geschichte der verlorenen Bücher wird zum Spiegel der Geschichte der Menschen, ihrer Kultur und Wissenschaft. Um das Buch genießen zu können, muss der Leser es ertragen können, von all den versäumten und unmöglichen Lesevergnügen zu erfahren. Zum Glück ging das Manuskript dieses Buches nicht verloren!

Im umfangreichen Anhang des originellen Sachbuches bietet Alexander Pechmann dem Leser eine Liste der "Aufgelesenen und zitierten Literatur" als Ersatz dafür an, dass aus der Bibliothek der verlorenen Bücher aus nahe liegenden Gründen keine Bücher ausgeliehen werden können. Außerdem gibt es noch ein Register, das alle erwähnten Personen mit Lebensdaten und Büchern auflistet.

"Die Bibliothek der verlorenen Bücher" ist eine gelungene Lektüre für alle, die Bücher lieben und sich für deren Schicksale interessieren!

(c) Maren Gierth von Literaturtipp.com
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 10. Januar 2008
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